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Menschenhandel und Plünderei?


Seit Einführung des Profifußballs fungieren Afrikaner als Arbeitskräfte für europäische Ligen. So spielten 1938 bereits 147 afrikanische Spieler in französischen Ligen.

Mit den zahlreichen Titelgewinnen von Nigeria und Ghana bei den seit 1985 stattfindenden U-17 Weltmeisterschaften und der Liberalisierung des europäischen Spielermarktes durch das „Bosman-Urteil“ nahm die Zahl der afrikanischen Spieler in europäischen Ligen der 1990er stark zu. Waren es Mitte der 1980er Jahren einige Dutzend afrikanische Erstligistaprofis, stieg die Zahl zur Jahrtausendwende auf über 1000.

Doch „auf jeden glänzenden Diamanten kommen 99 vergeudete“, sagt der belgische Abgeordnete Jean-Marie De Decker. Er schätzt, dass jedes Jahr bis zu 500 Afrikaner am Flughafen Brüssel mit dem Ziel Fußball ankommen. Meistens mit Touristenvisum, viele ohne Retourticket. Nur ein Bruchteil bekommt einen Vertrag. Jedoch der Anreiz, im reichen Europa zu bleiben, ist für viele überwältigend - trotz drohender Illegalität.

Ausbeutung und illegaler Spielerhandel sind ein gesamt-europäisches Problem.Klaus Federmair (Ballesterer) berichtet von Belgien: „Mit dem Flugticket beginnt der große Traum. Ein Agent verspricht der afrikanischen Nachwuchshoffnung einen Vertrag bei einem europäischen Großklub. Unterkunft im Hotel, erstes Probetraining am nächsten Tag, alles ist organisiert. Ein paar Trainings später ist der Vermittler verschwunden, der Portier will den Teenager loswerden. Er steht auf der Straße. In einer fremden Stadt, fern der Heimat. Ohne Wohnung, Papiere, Sprachkenntnisse, Geld oder Kontakte.“

Dramatisches Beispiel war der Skandal um minderjährige Fußballer in Italien, der 1999 den italienischen Fußball erschütterte und das Parlament beschäftigte. In italienischen Amateurligen spielten laut italienischem Fußballverband ca. 5000 Jugendliche unter 16 Jahre, vor allem aus Westafrika, Marokko, auch aus Albanien. 90% dieser Fußballmigranten verschwinden schnell und verdingen sich z.B. als Tomatenpflücker oder Fensterputzer ohne legale Aufenthaltserlaubnis.

Bei diesen Ausbeutungsverhältnissen geht es hauptsächlich um die Machenschaften betrügerischer Agenten. Sie bezahlen Eltern eine Hand voll Dollar, um die Teenager mitzunehmen und ihnen eventuell einen Vertrag über 7 bis 10 Jahre unterzujubeln. Spieler bekommen sehr geringe Gehälter, bevor sie in Europa teuer weiter verkauft oder fallen gelassen werden.

Der Weltverband FIFA hat mit der Lizenzierung von Spieler-vermittlern reagiert. Doch junge afrikanische Spieler nehmen oft notgedrungen die Dienste von nicht lizensierten Agenten in Anspruch. 2003 hat die FIFA den internationalen Transfer von Spielern unter 18 Jahren verboten.

Ausnahmen bilden Wechsel innerhalb der EU, und wenn die Familie nicht aus sportlichen Erwägungen den Wohnsitz ändert. In der Praxis hat das neue Reglement wenig an der Situation geändert, lediglich die Kosten der Transfers haben sich erhöht.

Sprungbrett für afrikanische Spieler?
Der ehemalige französische Nationalspieler Jean-Marc Guillou, der eine Fußballschule an der Elfenbeinküste und eine enge Kooperation mit dem dortigen Verein ASEC Abidjan unterhält, hat sich den KSK Beveren als europäische Basis ausgesucht. Hier kann er seit 2001 afrikanische Spielertalente dem europäischen Markt vorstellen, denn im belgischen Fußball gibt es kaum Beschränkungen für Fußballer aus Nicht-EU-Staaten. Viele große internationale Vereine, vor allem englische, unterhalten Verbindungen zu belgischen Vereinen, um junge Spieler zu testen.

In Beveren machen nicht nur die wählerstarke, fremdenfeindliche Partei Vlaams Blok, sondern auch immer mehr Fans und Einwohner Beverens ihrem Unmut gegen die bis zu 17 Teamspieler von der Elfenbeinküste Luft. Teamkapitän Arsène Né erzählt, wie er im Supermarkt regelmäßig vom Sicherheitspersonal verfolgt wird, um dann von der Kassiererin wegen Verständigungsproblemen angeblafft zu werden. „Wir haben überhaupt keinen Kontakt. Die Atmosphäre ist auf dem Nullpunkt. Die Schwarzen leben ihr Leben, wir unseres”, sagt auch einer der wenigen Nicht-Afrikaner im Kader, Kristof Lardenoit 2004.