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Mondiali – Fest und Protest


Mitte der 1990er Jahre arbeiteten italienische Medien mit rassistischem Tenor für die Festung Europa, während gleichzeitig die Fußball-EM zelebriert wurde. Das einzige italienische Fanprojekt, Progetto Ultrá aus Bologna und das antifaschistische Geschichtsinstitut Istoreco, luden deshalb Freunde und Bekannte, Illegalisierte und Kriminalisierte, Fußballverrückte und Dilettanten zu Fest und Protest.

Seitdem findet jährlich die Mondiali Antirazzisti statt. Dort spielen in knapp 200 Teams Frauen und Männer zusammen und gegeneinander. Es ist egal, wer gewinnt. Den Hauptpreis bekommt nicht das erfolgreichste Team, sondern dasjenige, das sich herausragend gegen Rassismus engagiert. Die Mondiali hat sich zu einem internationalen Festival entwickelt, das von der Atmosphäre lebt, in der sich die mehr und weniger Fußballbegeisterten feiern - jenseits reiner Politgruppentreffen, dröger Fußballfantrinkfeste oder karitativer Migrantenarbeit.

Da einige Teams aus Kostengründen nicht anreisen können, wird dazu aufgerufen, solidarisch Geld zu sammeln und Reisekosten zu übernehmen. Die Mondiali hilft bestehenden Migrantenprojekten Sichtbarkeit zu verschaffen und ihnen eine Möglichkeit zu bieten, unbeschwert und internationalistisch zu feiern, Netzwerkarbeit zu fördern und durch das Zusammentreffen von Fußballfans, MigrantInnen und Antirassismus-AktivistInnen weitere Initiativen anzuregen. Teilnahme ist kostenlos, inklusive Konzerte, Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen und Zeltplatz. Die Teilnehmenden repräsentieren vorrangig Fußballfans, MigrantInnen und Antirassismus-AktivistInnen.

Zum Glück kommen viele Leute, die in keine Schublade passen. Im Jahr 2005 waren es etwa 6000 Menschen aus knapp 40 Ländern von allen Kontinenten, hauptsächlich aber aus Europa. Jedes Jahr gibt es angemeldete Teams, die auf Grund der italienischen Einreisegesetze nicht teilnehmen können. Das wird jedes Jahr kritisiert, indem symbolisch der Pokal der Unsichtbaren verliehen wird und er allein auf der Bühne zurück bleibt.