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Zusammen abgeschottet?


Oft wird Einwanderern und ihren Nachkommen Rückzug, ja ‚Ghettobildung’ vorgeworfen: Sie würden gar nicht teilhaben wollen an der sog. Aufnahme- oder Mehrheitsgesellschaft. In Zeiten erhöhter Diskussionen um religiösen Terrorismus besteht die Gefahr, dass Selbstorganisation von Einwanderern verstärkt ins Fadenkreuz der Vorurteile gerät.

Doch es ist nicht zu vergessen, dass Selbstorganisation - z. B. in eigenen Fußballteams - auch die Erfahrung von Ablehnung voraus setzt. Eine Ablehnung, die nicht unbedingt offene Diskriminierung meint. Einwanderer und ihre Nachkommen sprechen von fehlender Chancengleichheit und Anerkennung, von „Geschnitten Werden“ am Arbeitsplatz oder in der Freizeit.

Hinzu kommen Orientierungsprobleme in der sich ständig modernisierenden Gesellschaft: „Im Job muss ich doppelt so gut sein wie mein ‚deutscher’ Kollege“.

Könnte es nicht die Mehrheit sein, die nicht offen genug ist?

Die türkisch stämmigen Einwanderer sind so unterschiedlich voneinander, dass sie kein geschlossenes kulturelles Dach kennen. Es kann die Mehrheitsgesellschaft sein, die sie erst zu einer Gruppe ‚hinredet’ und werden lässt. Es ist schwierig einer solchen Zuweisung zu entkommen, wenn sie einmal gemacht ist.

Wo kommt das Gefühl vieler Einwanderer her, sich durch die Mehrheitsgesellschaft bedroht zu fühlen und schützen zu müssen? Wieso gibt es das Gefühl, dass sie, was immer sie auch tun, nie dazu gehören werden? Ist es nicht nachvollziehbar, dass es mehr Lebensfreude bereitet, wenn mensch sich mit Leuten umgibt, die ähnliche Erfahrungen haben und demnach besser verstehen? Offene Fragen.

“Unser Verhältnis zu fremden Menschen und fremden Kulturen ist mit dem verknüpft, was uns an uns selbst fremd ist. Das ‚innere Ausland‘ (Sigmund Freud) bestimmt entscheidend, wie Ausländer erfahren werden.”
(Gerhard Vinnai)