„Der hat aber angefangen!“

Kommen Vereine mit migrantischem Hintergrund in die Schlagzeilen, geht es meist um Konflikte oder gewalttätige Übergriffe.
Dabei beweisen Studien, dass das Gewaltproblem nicht vorrangig eines der Migranten ist. Aber wenn sie ausrasten, kann es schnell in die ethnische Ecke gerückt werden.
„Wenn mein Verein gegen Bockenheim oder Bornheim spielt, und es gibt Ärger“, beobachtet Klaus Walter bei Beteiligten, „dann ist das Ärger zwischen zwei Vorortklubs. Wenn es zwischen Weiß-Blau und Croatia Ärger gibt, dann ist es Ärger zwischen deutschen und Jugos.“
Es scheint, als bedrohen „die anderen“ bestimmte Werte und Konventionen der Mehrheitsgesellschaft. Oft gehen einem ‚Ausraster’ verbale Provokationen voran, die einen Migranten evtl. härter treffen, als überharter Einsatz. „Wenn die 45 Minuten lang ‚Du Scheiß-Kanake’ hören“, weiß Gerd Liesegang von der AG Fairplay im Berliner Fußball-Verband „drehen sie durch. Die Deutschen sind cleverer - man kann die Beleidigungen ja in den seltensten Fällen nachweisen.“
Solchen Problemlagen im Amateurfußball widmen sich diverse Präventionsmodelle. Der Niedersächsische Fußballverband hat den kurdischen Sozialarbeiter Hasan Yilmaz engagiert, der bei multi-ethnischen Konflikten vermittelt, das Handeln auf dem Platz bewusster macht und Vereine zu Fairness-Selbstverpflichtungen anleitet. Hier schaffte interdisziplinäre Zusammenarbeit, dass die Strafordnung des Verbandes geändert werden konnte: Bewährung und Resozialisierung gehören verstärkt dazu. Wichtige Grundlage ist die Vernetzung von Sportverein, Schule und sozialer Arbeit.
Mit der Stadt Hannover wurden Jugendliche zu Fußball-Mediatoren ausgebildet: Wie gehe ich mit Konflikten um und wie löse ich sie? Wie greife ich ein, um Eskalationen zu verhindern? Auch Schiedsrichtern und Trainern soll hier mehr Bewusstsein und Handlungskompetenz vermittelt werden.
„Zuschauer und Gegenspieler provozieren uns, und viele Schiris benachteiligen uns“, hört Yilmaz oft von (eigen-)ethnischen Vereinen, „Die rasten schnell aus, wenn sie zurückliegen. Das liegt an ihrer Mentalität“, entgegnen die anderen. Yilmaz versucht, Bewegung in starre Meinungen zu bringen und weiß: „Was aber nachgewiesener Maßen stimmt, ist, dass Fouls von ausländischen Mannschaften oft eher wahrgenommen und härter bestraft werden.“
Das Geld für solch richtungsweisende Projekte ist zeitlich arg begrenzt: Ende 2005 wurde das viel versprechende Präventionsmodell in Berlin eingestellt.







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