„Die südländische Mentalität“

Der Journalist Klaus Walter fasst zusammen, was gern pauschal unterstellt wird: „Jedes gelungene Dribbling ist mentalitätsbedingt, jede Reklamation beim Schiri erklärt sich aus dem arabischen Temperament, jedes nicht erfolgte Abspiel wie jeder geniale Hackentrick, alles liegt in ihren Genen. Über jede Aktion (oder Nichtaktion, faule Araber) wird das Netz der Ethnisierung geworfen.“
So oder so ähnlich wird gern argumentiert, wenn Fußballer mit türkischen, italienischen, griechischen oder afrikanischen Wurzeln über die häufig zitierten Stränge schlagen. Wann und warum solche Grenzen übertreten werden, bestimmt noch immer die Mehrheitsgesellschaft. Hintergründe aus migrantischer Sicht bleiben oft unberührt.
Fußball wird zum Ventil. Hier entlädt sich der Alltag, der bei Menschen mit migrantischem Hintergrund einen speziellen Druck erzeugen kann. Viele nutzen Fußball, um mit einfachen, aber eindrucksvollen Mitteln zu zeigen, dass auch sie jemand sind. Hier können sie den Deutschen sportlich zeigen, wo der Hammer hängt. Auf beiden Seiten sind es vorrangig Männer, die Fußball zum Stellvertreterkampf hochpuschen.
Wenn es zu einem Verein mit migrantischem Hintergrund geht, bekommt das Spiel schnell Länderspielcharakter: „Heute geht’s gegen die Türkei.“ So werden (eigen-)ethnische Klubs mit Klischees und Vorurteilen aus dem Alltag beladen. Diejenigen, die (eigen-)ethnische Vereine als Bedrohung sehen, sollten den Spieß einmal umzudrehen, um zu ahnen, wieviel Bedrohung und Fremde aus Sicht der Migranten empfunden werden könnte, nicht nur im Fußball.
„Viele Vereine könnten ohne Zuwanderer ihre Jugendabteilungen schließen.” (Peter Lange, Ruhr-Universität Bochum)




