Bist du Yurdum, oder was?

Angekommen in Deutschland, konnte es schwierig sein, Kontakte zu knüpfen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Fußball bot vielen männlichen Migranten an, erste Barrieren aufzubrechen - ob in Arbeitspausen, im Werkteam oder auf der Parkwiese.
Seit den 1960ern gründeten die ersten Gastarbeiter Freizeitteams und Vereine. Türkisch geprägte Vereine tauchten erstmals Mitte der 1970er Jahre in Ballungs-zentren auf, darunter PSI Yurdumspor Köln, Türkspor Berlin und Türk Gücü München, der heutige TSV 1975 München.
In seiner Grundsatzerklärung zum Sport der ausländischen Mitbürger befürwortete der Deutsche Sportbund 1981 die Gründung sog. (eigen-)ethnischer Vereine da, wo „ein hoher Prozentsatz ausländischer Mitbürger einen deutschen Verein überfremdet“.
Viele ‚einheimische’ Stimmen sahen sie als Übergangslösung auf dem Weg in die deutsche Aufnahme-gesellschaft. Laut Informationsdienst Ausländer in Deutschland reagierten Deutsche noch 1995 vorwiegend mit Ablehnung, Bedauern und Resignation auf den Gründungsboom ethnischer Vereine nach der Wiedervereinigung. Noch immer machen mehr als 50 % der migrantischen Vereinsfußballer Erfahrungen in ‚deutschen’ Vereinen.
Der größere Teil ist weiterhin in ‚deutschen’ oder treffender gesagt in autochthonen Vereinen organisiert, sei es aus Anpassungsbereitschaft, wegen erhoffter Erfolgsperspektive oder mangels Alternativen.
Aber ein Verein wirkt nicht per se integrativ, nur weil er einen Ausländer bzw. einen Migranten aufnimmt. Das Umfeld muss offen für neues sein und dies als Bereicherung verstehen. Leistungsstärkere Spieler haben es einfacher.Gegenseitige negative Erfahrungen in diesen Vereinen, religiöse Belange, desintegrative Entwicklungen in der Gesamtgesellschaft, gefühlte Nicht-Anerkennung und die Zunahme von fremdenfeindlichen Tendenzen können Hauptgründe sein, warum Einwanderer und ihre Nachkommen sich in ‚eigenen’ Vereinen organisieren. Sie erhoffen sich eine Aufwertung der eigenen Persönlichkeit. Ihnen ist es wichtig, auch einmal Gastgeber zu sein, selbst wenn sie - laut eigenen Aussagen - bei der Sportplatzvergabe eher benachteiligt werden. Im Zentrum stehen Selbsthilfe und Interessenvertretung, zielgruppenorientierte Sozial- und Jugendarbeit, Repräsentation, symbolische Sicherheit und die Förderung von Selbstbewusstsein.Das Bestehen von (eigen-)ethnischen Vereinen ist als Zeichen von Pluralität und Demokratie zu verstehen, und nicht als Verfestigung fremdländischer Identität. Solche Vereine und Teams sind zumeist eine Reaktion auf die vorgefundenen Verhältnisse.







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