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Rassismus im neuen Gewand


2005 war es der Elfenbeinküstler Marc Zoro von Messina, im Frühjahr 2006 der Kameruner Samuel Eto’o von Barcelona, der wegen rassistischer Rufe ihr Spiel unterbrach. Besonders in Spanien, Italien und Teilen Osteuropas tritt Rassismus offener auf und gerät häufiger europaweit in die Medien.

Im März 2006 reagierte endlich auch in Deutschland ein Spieler außergewöhnlich auf rassistische Beschimpfungen. Um seinen Protest kund zu tun, hielt sich Adebowale Ogungbure nach dem Oberliga-Spiel Hallescher FC - FC Sachsen Leipzig zwei Finger an die Oberlippe und parodierte den Hitlergruß. Daraufhin griffen Fans ihn tätlich an. Anfangs ermittelte die Polizei wegen Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole gegen Ogungbure.

Anders als zuvor bei rassistischen Anfeindungen deutscher Fans bei Länderspielen in Slowenien, Slowakei, Frankreich und Italien 2005 und 2006, anders als z.B. Cottbuser Fans den Dresdenern im Dezember 2005 antisemitisch begegneten oder als Fans von Lokomotive Leipzig im Januar 2006 gegen Sachsen Leipzig ein lebendiges Hakenkreuz formten, reagierten die Medien stark und der DFB ermittelte.

Während Rassismus in den unteren deutschen Ligen eher offener vorkommt, passiert er in den Bundesligen generell versteckter. Anstelle von eindeutiger Symbolik gibt es z.B. Zahlenkombinationen, abgewandelte Runen, bestimmte Markenkleidung, die mit anderen Outfitmerkmalen kombiniert werden. Beim Regionalliga-Spiel St. Pauli - Chemnitz im April 2006 zeigten Chemnitzer Fans nunmehr rote Banner mit leeren weißen Kreisen - die Anspielung an rechte Symboliken genügen.

Neonazis und ihre Sympathisanten modernisieren sich und werden beweglicher. Für die WM-Zeit 2006 meldete die NPD u.a. Demonstrationen in Solidarität mit dem Iran an oder startete eine Kampagne gegen Nationalspieler mit anderer Hautfarbe und Herkunft. Dazu gibt es bestimmte Musikszenen, in die nicht immer rechtes Gedankengut getragen wird, sondern aus denen heraus sich rechtes Gedankengut entwickelt, sogar im Hip-Hop.

Schwieriger zu begegnen ist allerdings denjenigen im Stadion, die sich nicht als Rassisten bezeichnen würden, dennoch aber Vorurteile gegen Migranten und Fremdenfeindlichkeit an den Tag legen. Und das sind nicht unbedingt wenige.