ausstellung
Konzept

BALLARBEIT


Migration und ethnische Minderheiten im europäischen Fußball

Wie unter einem Brennglas werden im Fußball Merkmale kulturellen und sozialen Wandels paradigmatisch sichtbar. Migration und die Situation ethnischer Minderheiten gehören zu diesen Kennzeichen: Im Umgang damit erweisen sich Integrationsfähigkeit und Weltoffenheit moderner Gesellschaften. Der Fußball der Gegenwart – auch hier durchaus Avantgarde der Globalisierung – wird wesentlich von Migrationsprozessen beeinflusst. Und dies auf allen Ebenen: In der Bundesliga spielten in der Saison 2004/2005 200 Ausländer aus 60 Nationen (gegenüber 154 Deutschen), die tragenden Säulen der Nationalmannschaft heißen nicht mehr Beckenbauer, Maier und Müller, sondern Asamoah, Klose, Podolski oder Kuranyi, und der Anteil der Spieler und Spielerinnen mit Migrationshintergrund in den Jugend- und Amateurligen ist signifikant: die integrative Kraft des Fußballs ist hier unübersehbar. Auch auf den Zuschauerrängen – von der Champions League bis zur Kreisklasse – bildet sich Woche für Woche die Realität einer zunehmend von Multikulturalität mitgeprägten Gesellschaft ab.

 

Inhalte, Impulse, Ziele

Als zweisprachige Wanderausstellung (deutsch/englisch) zeigt und reflektiert Ballarbeit. Szenen aus Fußball und Migration und transnationale Entwicklungen im Spiegel des Fußballs. Jenseits einer naiven “multikulturellen Romantik” präsentiert und diskutiert die Ausstellung die integrativen Potenziale und Identifikationsangebote des Sports (Stichwort: Rollenmodell für Akzeptanz, Respekt und Toleranz), ohne dabei die Mechanismen der Exklusion, die Vorurteile gegenüber und Diskriminierung von Migranten auszuklammern. Das Thema Migration eignet sich hervorragend für eine kulturelle Befragung des Fußballs, weil es erlaubt, die verschiedenen Ausprägungen des Spiels – von der Welt des Profifußballs bis zum alltäglichen Straßenkick – zu vergleichen und zu verbinden. Etwas zugespitzt kann man sagen: Wo auch immer Fußball heute gespielt und von Zuschauern verfolgt wird, spielt Migration - offenkundig oder subkutan - eine Rolle.

Die Ausstellung zeigt und reflektiert Migration und multikulturelle Entwicklungen in Europa durch den Spiegel des Fußballs. Sie präsentiert und diskutiert die integrativen Möglichkeiten des Fußballs und seinen Identifikationsangeboten. Außerdem vermittelt Ballarbeit. Szenen aus Fußball und Migration Informationen über Migration und Integration im professionellen Fußball. Aber sie lässt auch Blicke auf Migranten und Asylsuchende zu, die auf lokaler Ebene Fußball spielen oder ein eigenes Team in ihrer Freizeit organisieren.

Ballarbeit wird demonstrieren, dass kulturelle Unterschiedlichkeit und Austausch zu qualitativen Verbesserungen im alltäglichen Zusammenleben und gesellschaftlichen Fortschritten führen können. Einschließlich der multi-ethnischen Konflikte, die symbolisch während eines Fußballspiels deutlich werden können, wird das Ausstellungsprojekt auch auf die alltäglichen Probleme des Zusammenlebens und des gemeinsamen Fußball Spielens eingehen.

Migranten spielen nicht nur Fußball, sie sind auch Fußballfans. Daher zielt die Ausstellung auch darauf ab darzustellen, inwiefern Migranten in lokale Fanstrukturen integriert sind und wie ein solcher Integrationsprozess verbessert werden kann.

Ballarbeit möchte ein (sozio-)kulturelles Angebot unterbreiten, das auf Niedrigschwelligkeit, Partizipation und ein Publikum zielt, welches von den etablierten Einrichtungen der Hochkultur in der Regel nicht erreicht wird. Hierzu dient eine Präsentation aus betexteten, haptischen Objekten, Schautafeln und multimedialen Darstellungsformen.

Die Motivation von Ballarbeit. Szenen aus Fußball und Migration ist gesellschaftspolitisch: Es geht darum, Bewusstsein für Migrationsprozesse zu schaffen, positive Modelle von Transfer und Integration vorzustellen, ohne dabei die Problematik der Ausgrenzung und Diskriminierung in irgendeiner Form zuzudecken. Es geht zudem darum, dem im Kulturbetrieb zunehmend beachteten Thema Migration eine Facette im Sinne einer "grass roots-Erdung" hinzuzufügen. Wie findet soziokulturelle Integration über Fußball statt? Perspektivisch/strukturell zielen wir auf eine Stärkung von unabhängigen Fußballkultur-Initiativen, auch mit Blick auf die europäische Dimension.

Zielgruppen

Jugendliche (ab 15 Jahren) migrantischer und nicht-migrantischer Herkunft, im speziellen Schüler und Fußballteams jeder Spielklasse; Fußballfans von professionellen und Amateurvereinen; Verantwortliche Vertreter der Fußballvereine und Verbände, Verantwortliche Vertreter in Institutionen, die in dieses Feld involviert sind, im speziellen migrantische Organisationen; Einzelpersonen oder Projekte, die die bereits in diesem Bereich arbeiten oder gern arbeiten würden; Studierende; Akademiker; Politiker mit dem Schwerpunkt Integration von lokaler bis internationaler Ebene; Journalisten der Tagespresse ebenso wie Journalisten mit Interesse an vertiefenden Hintergrundberichten.

Partner

Flutlicht (www.flutlicht.org) ist der deutsche Hauptpartner des Netzwerkes Football Against Racism in Europe (FARE) und generiert dadurch bereits Fördermittel der UEFA sowie des Fonds Soziokultur. Direkte Zusammenarbeit erfolgt hier mit den einzelnen internationalen FARE-Partnerorganisationen (siehe www.farenet.org).

Inhaltlich gibt es Zusammenarbeit u. a. mit der Deutschen Akademie für Fußballkultur, der Koordinationsstelle der Fan-Projekte bei der dsj, Prof. Gunter A. Pilz (Universität Hannover, Berater von DFB und UEFA) sowie mit zahlreichen Experten aus der Wissenschaft, Kultur und Journalismus, Fan- und MigrantInnengruppen. Der ehemalige Fußballprofi, ehem. Kapitän der ghanaischen Nationalteams und heutige TV-Sportmoderator Anthony Baffoe ist u. a. Schirmherr von Ballarbeit. Szenen aus Fußball und Migration zugesagt, weitere Engagements sind in Planung.

Flutlicht-Projektleiter und Sozialwissenschaftler Gerd Dembowski arbeitet seit zehn Jahren im Bereich Fußball und Gesellschaft. Nach seiner Streetwork-Arbeit im Fanprojekt Duisburg setzte er seine Aktivitäten u. a. durch zahlreiche Buchpublikationen und Kolumnen zu Fußball & Gesellschaft, der Organisation der Ausstellung “Tatort Stadion. Rassismus und Diskriminierung im Fußball”, als Kurator der DFB-geförderten Ausstellung “Kultort Stadion” der Littmann Kulturprojekte und als berufenes Mitglied der Deutschen Akademie für Fußballkultur fort.

Ausstellungsthemen (Beispiele):

- Die Anfänge des modernen Fußballs auf dem europäischen Kontinent als migrantische Organisation

- Jugoslawische Fußballprofis als Wanderer (historisch)

- Spielerhandel Afrika > Europa

- Integrationsstatements von Kofi Annan bis Prof. Gunter A. Pilz

- Ausgewählte Spielerportraits vom Star Zinedine Zidane bis zum Amateurkicker Francesco Lima

- Integration und eigenethnische Vereine im deutschen Amateurfußball

- Migrantinnen und Fußball in Deutschland

- Integration im französischen Fußball

- Der FC Roma aus der Slowakischen Republik

- Integrative Beispielprojekte aus den Niederlanden

- Das Netzwerk Football Against Racism in Europe