Béla Guttmann

„Es ist keine Übertreibung, den ungarischen Juden Béla Guttmann als avantgardistische Figur eines zu seiner Zeit längst noch nicht globalisierten Weltfußballs zu bezeichnen“, schreibt der Historiker W. Ludwigs Tegelbeckers über einen der erfolgreichsten Trainer der Fußballgeschichte.
Guttmann wirkte in sechs Jahrzehnten als Fußballspieler und Trainer in 13 Ländern Europas sowie Nord- und Südamerikas. In vielen Ländern trug er dazu bei, dass kontinuierliches, angeleitetes Training überhaupt erst hoffähig wurde.
Schon bevor Guttmann 1933 seine Tätigkeit als Trainer beim legendären jüdischen SK Hakoah Wien begann, waren ihm durch seine internationalen Engagements als Spieler die verschiedenen Spielsysteme vertraut. Nach der Zerschlagung Hakoahs durch die Nazis gelang ihm die Flucht nach Ungarn, wo er mit Ujpest Budapest seine ersten Trainererfolge feierte.
Ab 1939 verliert sich seine Spur. Als Guttmann 1946/47 als Trainer wieder bei Ujpest auftaucht, gewinnt er sogleich Meisterschaft und Ligapokal. 1956 war der begehrte Trainer nach einer Tournee mit der Exilmannschaft Honved Budapest in Südamerika geblieben. Mit seinem auf konditionell starken Spielern beruhenden, offensiven 4-2-4-System beim FC Sao Paulo gilt er als Urheber der brasilianischen WM-Erfolge von 1958, 1962 und 1970.
Der Absolvent der Fußballschule MTK Budapests hatte seine größten Erfolge mit Benfica Lissabon, das 1960/61 mit dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister und der folgenden Titelverteidigung die Vorherrschaft von Real Madrid beendete. „Sowohl als Jude wie als Ausländer“, so Tegelbeckers, „als der er sich (…) jeweils überall sah, lebte Guttmann ausdrücklich im Hier und Jetzt: Schicksal begriff er nicht als Fügung, in die man sich kampflos ergab, sondern immer als Handlungsmöglichkeit, aus der sich einmal mehr, einmal weniger entwickeln konnte.“







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